Gullivers Reisen

Als bittere Satire von der Zensur sehr gut verstanden  und deshalb als Kinderbuch positioniert. Die meisten Ausgaben des 19. und 20. Jahrhunderts kennen nur die Reisen zu den kleinen Menschen und die zu den Riesen.  Und diese werden hübsch illustriert, für die Kleinen und für die Grossen, die diese Ausgaben kaufen sollen. Ein Freund und Mentor machte mich in meinen Anfangsjahren auf die fundamentale Kritik an Universitäten und Wissenschaften im Kapitel 3, das u.a. an der Akademie von Lagado spielt. Dei Schilderung hat mich so fasziniert, dass ich begann Gullivers Reisen vom Erscheinen an zu sammeln, um die Fälschungen und Kürzungen in den "gereinigten" Ausgaben zu verfolgen. Die englische Ertsausgabe (1726) bleibt für mich unbezahlbar, so halte ich mich an die französische (1727 in Den Haag) und deutsche ( 1727 in Hamburg/Leipzig.). Besonders ikonographisch faszinierend sind die Trends über 300 Jahre in der Auswahl und Inhalt der Illustrationen.

Gullivers Gefangennahme 

Variationen Mitte 19. Jh.

“La patrie est en danger” by F. d’Orleans. 1830.

On the island of Lilliput: a colour print from an 1860s edition of Gulliver’s Travels. Photograph: Alamy


Warum man auf uns zählen kann? Weil unser Unternehmen mehr ist, als nur ein Business. Jede Person in unserem Team ist einzigartig – und wir alle teilen die gleichen Werte.

Gulliver exhibiting before the court of Lilliput after Hablot Knight Browne


John Wade, The Black Book: An Exposition of Abuses in Church and State, Courts of Law, Municipal Corporations, and Public Companies; with a Précis of the House of Commons, Past, present, and to come. A New Edition, greatly enlarged and corrected to the present time. By the Original Editor. With an Appendix (London: Effingham Wilson, Royal Exchange, 1835), p. xxxiv.


Teil 3: Reise nach Laputa, Balnibarbi, Luggnagg, Glubbdubdrib und Japan

Die Akademie von Lagado


Lagado ist wie der Rest des Landes von Armut geprägt. Der König hatte ein großes Vermögen in den Bau einer Akademie der Projektoren in Lagado investiert, die durch Forschung zur Entwicklung des Landes beitragen sollte, aber bisher hat die Akademie keine Ergebnisse gebracht. Der Autor hat anschaulich bizarre und scheinbar sinnlose Experimente beschrieben, die dort durchgeführt wurden, z. B. der Versuch, menschliche Ausscheidungen wieder in Nahrung zu verwandeln, Sonnenstrahlen aus Gurken zu extrahieren oder Schülern Mathematik beizubringen, indem sie Sätze auf Oblaten schrieben und diese mit „Cephalick-Tinktur“ einnahmen.


Abb. aus: https://www.americanscientist.org/article/global-energy-the-latest-infatuations

"The Engine"

Die Maschine ist ein fiktives Gerät, das in dem satirischen Roman Gullivers Reisen von Jonathan Swift aus dem Jahr 1726 beschrieben wird. Es ist möglicherweise die früheste bekannte Erwähnung eines Geräts, das in irgendeiner Weise einem modernen Computer ähnelt.



Die Maschine ist ein Gerät, das Permutationen von Wortmengen erzeugt. Die rotbemützten Assistenten drehen auf Geheiss des Professors an einem geheimen Mechanismus, der die Würfel in ihre Plätze fallen lässt.

Der Professor liesst den entstandenen Text ab und argumentiert, dass er auf diese Weise jedes denkbare Buch in jeder denkbaren (kombinatorischen ) Sprache, quasi automatisch schreiben könne.

Ein Seitenhieb auf den Philosophen/Mathematiker und Kombinatoriker Ramon Llull ? 

Ausgewählte Projekte der Akademie

Ich war auch in der mathematischen Schule, wo die Lehrer nach einer Methode unterrichten, von der man in Europa kaum einen Begriff hat. Satz und Beweis werden auf einer dünnen Oblate, mit gehirnartiger Tinktur aufgezeichnet, eingegeben. Der Schüler muß dieselbe schnell hinunterschlucken, und dann drei Tage lang nichts als Brod und Wasser essen. Ist die Oblate verdaut, so steigt die Tinktur in's Hirn, und führt dort den mathematischen Satz ein. Bisher hat aber der Erfolg sich noch nicht erwiesen, ein Umstand, der theilweise aus einem Fehler in der Quantität der Composition folgen mag, theilweise auch aus der Störrigkeit der Knaben, denen diese Medicin so eckelhaft ist, daß sie sich gewöhnlich fortstahlen, und sich der Dose von oben entledigten, bevor sie operiren konnte; auch hat man sie bis jetzt nicht überreden können, so lange zu hungern, wie es bei dem Recepte nothwendig ist.

In der Übersetzung von Fr. Kottenkamp mit Illustrationen von Grandville, erschienen 1846.

"Je passai dans une autre chambre, l'odeur en ètait repoussant"

Ich ging in ein zweites Zimmer, doch war ich bereit, mich eilends wieder zurückzuziehn, da mich ein furchtbarer Gestank fast überwältigte. Mein Führer schob mich vorwärts, indem er mich flüsternd beschwor, keinen Anstoss zu erregen, denn man würde mir schwer grollen; und deshalb wagte ich nicht einmal, mir die Nase zu verstopfen. Der Pläneschmieder dieser Zelle war der älteste Gelehrte dieser Akademie; (...) Seit seinem Eintritt in die Akademie war er damit beschäftigt, ein Verfahren zu finden, um die menschlichen Exkremente wieder in die ursprüngliche Nahrung zu verwandeln, indem er die verschiedenen Teile trennte, die Färbung, die sie von der Galle empfingen, beseitigte, den Geruch verdunsten liess und den Schleim abschäumte. Er erhielt von der Gesellschaft eine Wochenration, die in einem Gefäss voll Menschenkot bestand; es war etwa von der Grösse eines Fasses.

Les voyages de Gulliver, Ill. von Paul Gavarni, Übers. von Abbé Desfontaine, Paris, Laplace, Sanchez & Co. [circa 1860].

Der zweite Vorschlag ging dahin, überhaupt alle Wörter abzuschaffen; und davon versprach man sich sowohl für die Gesundheit wie für die Kürze viele Vorteile. Denn es ist klar, dass jedes gesprochene Wort in gewissem Grade eine Verringerung unsrer Lungen bedeutet, weil es sie abnutzt, und dass es also dazu beiträgt, unser Leben zu verkürzen. Daher wurde ein Ausweg vorgeschlagen; alle Worte nämlich sind nur Namen für Dinge, und demnach wäre es viel besser, wenn alle Menschen diejenigen Dinge, die nötig sind, um die besondern Angelegenheiten auszudrücken, wie man sie erörtern möchte, mit sich herumführten. 

Gullivera Cestovani, Prag (o.J.). Ill. Thomas MORTON, Holzschnitte von William James LINTON. Tschechische Ausgabe der Gullivers Reisen von Lee and Shepard , Boston um  1876.