Paul Scheerbart. Phantastische Literatur.*
Paul Scheerbart (Wikipedia)
Seine phantastischen Romane spielen auf fremden Plaaneten in unsgewöhnlichen, oft nicht menschlichen Manifestationen von Gedanken, Energien, Träumen.
Er illustriert seine Werke mit ebenso phantastischen Zeichnungen.
Paul Carl Wilhelm Scheerbart (* 8. Januar 1863 in Danzig; † 15. Oktober 1915 in Berlin-Lichterfelde)
Das Perpetuum Mobile
Zweieinhalb Jahre verwandte der Poet der Berliner Bohème auf den Versuch, ein System von Rädern, Hebeln und Lasten zu entwerfen, das sich ohne Zutun fortbewegen und den verhassten «Herren Physikern» an den Karren fahren würde. Je fruchtloser die Anstrengungen, desto blühender die Phantasie. War das «Perpeh», wie Scheerbart es nannte, einmal in Gang, würde die Welt sich nicht wiedererkennen. Die Nacht wollte er in Tag verwandeln und die Meere durchleuchten, «dass die Fische gar nicht aus dem Staunen rauskommen könnten»; Berge wollte er versetzen, den Flüssen neue Läufe zuweisen, die Wüste urbar machen - und die Menschheit von der Arbeit erlösen.
Peter Hafner NZZ, 1993
Lesabéndio. Ein Asteroidenroman.
Ill. von Kubin.
Georg Müller 1913
Personenverzeichnis
Biba. Sehr alter Pallasianer, der sich besonders für die Sonne interessiert und philosophische Bücher schreibt.
Bombimba. Ganz jugendlicher Pallasianer, dessen Entstehung geschildert wird.
Dex. Ein Führer auf dem Stern Pallas. Die Heraufbeförderung und Bearbeitung des Kaddimohnstahls ist seine Hauptbeschäftigung.
Labu. Ein künstlerischer Führer, der sich fast nur für die Formen mit gekrümmten Linien interessiert.
Lesabéndio. Ein Führer, der mehr technische als künstlerische Interessen hat und die Erbauung eines großen Turmes am meisten fördert.
Manesi. Ein gärtnerisch veranlagter Führer, der für Rankengewächse begeistert ist und viele Pilzwiesen anlegt – auch in den Höhlen des Sterns Pallas.
Nax. Ein Bewohner des Sterns Quikko. Kommt mit neun andern Quikkoïanern durch Vermittlung von Lesabéndio und Biba auf den Pallas.
Nuse. Erbauer von Lichttürmen.
Peka. Künstlerischer Führer, der nur mit graden Kanten und Flächen arbeiten will und alle kristallinischen Formen höher schätzt als die anderen Formen.
Sofanti. Fachmann für Hautfabrikation.
* Könnte auch bei Science Fiction stehen. Aber Paul Scheerbart ist schon fast eine Gattung für sich.
Paul Scheerbart. Rakkóx der Billionär.
Vergnügt, wie ein echter Potentat, lebte Rakkóx, ein mehrfacher Billionär, in den Großstädten Asiens und Europas und vergeudete natürlich sein Geld in Centnersäcken – er hatte es ja dazu.
Der große Mann schwärmte natürlich für alles Grandiose und für martialische Unternehmungen – er hatte es ja dazu. Er belächelte diejenigen, die seine Passionen teilten, trotzdem sies nicht dazu hatten.
Um aber seine größeren kompakten Pläne realisieren zu können, sah er sich genötigt, zunächst auf Vergrößerung seiner Machtmittel bedacht zu sein.
Und so ward seine Phantasie allmählich eine militaristische Phantasie.
Einbandentwurf, Buntpapiervorsätze und Buchschmuck von Henri Jossot
Er wollte selbstverständlich seine Pläne nicht allein ausarbeiten – auch seine militaristischen nicht. Und so telegraphierte er denn an den Direktor seiner Erfindungsabteilung, in der zweihundert abgefeimte Genies beschäftigt waren: »Schnell neues Militär erfinden – mit Gebrauchsanweisung. Rakkóx.« Der Direktor der Erfindungsabteilung verlas das Telegramm seinen Untergebenen. Es entstand ein allgemeines Halloh, und nach vierundzwanzigstündiger Geistesarbeit lag der folgende geniale Plan Rakkóxen zu Füßen.
Rakkóx der Billionaer. [Billionär]. Ein Protzenroman. Die Wilde Jagd. Ein Entwicklungsroman in acht anderen Geschichten.
Scheerbart, Paul:
Schuster und Löffler, Berlin und Leipzig, Erste Ausgabe., 1900