Privateinbände?

Privateinbände können Preziosen sein. Sie erschweren oft aber auch die Provenienzforschung. Oder sie verunstalten eine schöne Ausgabe des Verlags. Antiquare lieben sie nicht immer, denn viel Einbände sind Geschmacksache. Genau deshalb finde ich Privateinbände ungeheuer interessant. Sie erzählen Geschichten, wenn es einem gelingt diese zu rekonstruieren. Meistens geling es nicht..., und oft sind es keine Privateinbände sondern sehr kleine Sondereditionen des Verlags.

Bernhard Kellermann. Yester und LI. Berlin. S. Fischer 1915. Privater Ganzpergamenteinband Mit bemaltem Vorderdeckel , monogrammiert "MP"

Der Einband meiner Ausgabe. Nach dem Vorsatz ist der Umschlag der normalen broschierten Ausgabe eingebunden. Es existieren zwei Fotos im Internet, die aber nicht näher beschrieben sind. 

Die "normale" Ausgabe bei Arthaud 1952. Eine gebundene Ausgabe in graublauem Leinen erschien 1954

Joan Miro. Ausschnitt aus den Konstellationen. (um 1940) Ähnlichkeiten mit dem Privateinband sind natürlich rein zufällig. Spekulieren und Träumen erlaubt.

Dimitri Rebikoff‎, Exploration Sous-marine.  Arthaud  1952. Illustriert mit 21 Heliogravuren und 6 Farbfotografien, reproduziert nach Kodachrome-Negativen.

Claude Arthaud und Niki de Saint-Phalle ( © Sotheby's Eddie Hautchamp | Nov 26, 2020)
Als Tochter des Gründers des Verlags Editions Arthaud und mit einem Abschluss in Kunstgeschichte und Archäologie hatte Claude Arthaud ihr Leben lang das Bedürfnis, ausgetretene Pfade zu verlassen und die Früchte ihrer Erkundungen mitzubringen und weiterzugeben, wobei Originalität ihre Leitphilosophie war. Mit 25 Jahren wurde sie während einer zweijährigen archäologischen Expedition in Mittelamerika an der Seite ihres zukünftigen Ehemanns eine der ersten Französinnen, die unter den Jivaro lebte. Ende der 1950er Jahre führte sie eine zweite Reise, diesmal als Journalistin, in die Volksrepublik China und die Mongolei, zu einer Zeit, als der Zugang zu den mongolischen Steppen für Westler verboten war.


 
ROGER FRISON-ROCHE, LA MONTAGNE AUX ÉCRITURES. Arthaud, Paris, 1952.
Noch so ein schöner Einband aus dem Hause Arthaud. siniert von Claude Arthaud. Privateinband oder Sonderasugabe? 


Die Normalausgabe , broschiert.

Afrikaflug. Orell Füssli Verlag, Zürich 1927. Umschlagsentwurf: Fotomontage von Walter Roshardt, Zürich

Diese Ausgabe mit Privateinband in rotem Leder mit Goldprägung, signiert RGE (?).

Die Teilnehmer am Afrikaflug von 1927 (von links nach rechts):
René Gouzy, Arnold Heim, Walter Mittelholzer und Hans Hartmann
(Photobibliothek.ch 1089)

Die Normalausgabe ohne Schutzumschalg.

 

Konstantin Biebl, Zlom. Kniha versu 1923-1928, Praha: Jan Fromek 1928 

Neue Auflage, 46. Band der Edition Odeon, Typographie Karel Teige, gedruckt in der Buchdruckerei von Kryl und Scotti in Novy Jicin (Neutitschein), Einband von J. Tvrdy nach dem Entwurf von Karel Teige, OBrosch.

Meine Ausgabe, Hard-Cover farbig bedrucktes Leinen. Es gibt dengleichen Entwurf in Rottönen für einen anderes Buch von Konstantin Biebl aus dem gleichen Verlag. Also wahrscheinlich kein Privatband, sondern eine Sonderedition. Diese hier signiert von Konstantin Biebl am Heiligen Abend 1932.


 
4 ganzseitige zweifarbige typografische Kompositionen (einseitiger Druck auf gelbem Papier) von KAREL TEIGE. Das Buch ist ein wichtiger Teil der Geschichte der modernen Typografie des 20. Jahrhunderts


Typographie, Karel Teige

In den Jahren 1923 und 1924 wurde in Prag eine neue Bewegung ausgerufen: der Poetismus. Nach dem Willen seines Schöpfers, des Studenten Karel Teige, sollte er «nonchalant, überschwänglich, phantastisch, verspielt, unheroisch und erotisch» sein und mithilfe einer «Poesie für alle Sinne» «die Welt zum Gedicht» machen. Nach dem «letzten Aufflackern der Ismen, des Dadaismus, Futurismus, Expressionismus, Kubismus, Suprematismus», forderte Teige in einem von mehreren poetistischen Manifesten, gelte es, nicht nur einen weiteren Kunststil, sondern eine neue «Ästhetik und Philosophie» zu etablieren.  (© NZZ, Judith Leister 2025)