Kinderbücher

Eine unendliche Vielfalt breitet sich aus. Verschiedene Altersklassen, verschiedene Kulturen, sehr unterschiedliche moralische und politische Absichten, eien Unzahl begabtester IllustratorInnen. Ich liebe die Zeit der ausgehenden Belle Epoque bis 1950. Sie war die Hochzeit der Buchillustration überhaupt, trotz oder wegen der Kriege.

D'r Luschdig Zipiti


Paul Hosch und Hans Melching.
D'R LUSCHDIG ZIPITI UND SINI SCHBEZEL. 8 FARBIGI BILDERBOGE (ORIGINAL SCHTEIZEICHNIGE) MIT "LEHRREICHE REIMCHE." Basel: Verlag: Wepf Schwabe & Co., [1915]

Hosch kam 1907 zur Künstlerkolonie in Darmstadt, bereiste später Amerika, Japan, China, Indien und Ägypten und gründete in Basel mit seinem Schüler Hans Melching die Schweizer Werkstätten", die stark vom Wiener Jugendstil, besonders der Wiener Werkstätte, beeinflusst waren. Die Bilder sind eine Huldigung an den Wiener Stil (Wiener Sezession. Wiener Werkstätte). Kriegs- und themenbedingt (Verse im Dialekt) bleibt das hervorragende Bilderbuch ohne grössere Resonanz.


Hanselima

Erna HAAS, Erna. Biel. Verlag Ernst Kuhn. Druck: E. Streit + Co. 
Bilderbuch mit reizvollen Linolschnitten, die  für den kleinen Bruder von Erna Haas (1896 - 1990) bestimmt waren.  Diese erste Ausgabe erschien um 1920. Die Verse in Schwyzerdytsch. 

Patapoufs et Filifers 

Auf die Frage  „Sag mir, was du isst, und ich sage dir, wer du bist“ scheint kein Werk des 20. Jahrhunderts besser geantwortet zu haben als ein kleiner illustrierter Roman, der 1930 unter dem Titel Patapoufs et Filifers bei Albin Michel veröffentlicht wurde. 
Patapoufs et Filifers" ist ein Kinderbuch des französischen Autors André Maurois.  Es handelt von einer fiktiven unterirdischen Welt, in der die dicken, gemütlichen Patapoufs und die dünnen, reizbaren Filifers leben. Die Geschichte wird von den Brüdern Edmund und Terry Double besucht, die sowohl dick als auch dünn sind. Die beiden Völker sind verfeindet und stehen kurz vor einem Krieg, als die Brüder ihre Reise antreten.

Die beiden Welten, in denen alles gegensätzlich ist, bekriegen sich, und es ist die Zuneigung der beiden Jungen, die die absurden Streitereien besiegen wird.

Edmond und Thierry finden den Eingang über den Zwillingsfelsen, wo eine lange Rolltreppe in die Eingeweide der Erde hinabführt. Die unterirdische Region wird von großen, mit blendend blauem Gas gefüllten Ballons beleuchtet, die am unterirdischen Himmel schweben.

Am Ende der Rolltreppe befindet sich ein schmaler Kai, der an eine große Bucht grenzt. Edmond und Thierry werden dort getrennt. Edmond wird mit einem gemütlichen Dampfer nach Pataburg, der Hauptstadt des Königreichs Patapouf, gebracht, während Thierry an Bord einer schnittigen Yacht nach Filigrad, der Hauptstadt der Filifer-Republik, fährt. Edmund nimmt bald eine wichtige Position in der Verwaltung des Landes der Patapoufs ein, dessen Bewohner freundlich und glücklich sind und nur für Essen und Trinken leben. Thierry steigt auch schnell im Land der Filifers auf, die alle Workaholics sind, kaum etwas essen und kreuz und quer durch ihr Land rennen.

Die Mageren und Hageren sind dauernd in Bewegung und haben auf dem Schiff anstrengende Gymnastikprogramme. 


André Maurois, der durch den Ersten Weltkrieg, an dem er teilgenommen hatte, stark gezeichnet war, schieb Patapoufs et Filifers , als   pazifistisches Plädoyer für Kinder. Die Illustrationen übertrug er Jean Bruller, der nach dem Zweiten Weltkrieg nach seinem Namen als Widerstandskämpfer Vercors genannt wurde.

Paul Hartmann, Paris 1930

Die Prinzessin und der Frosch

Ein Klassiker des Jugendstils. Der Autor bereiste die russischen Gouvernemente, um Dorfarchitektur und ethnographisches Matrial zu sammeln.
Iwan Bilibin. Princezna zabka. Pohadky. (Tschechischer Druck: Prinzessin kleiner Frosch. Märchen). Prag, Koci, um 1905.

Else Wenz-Viëtor

 

Else Wenz-Viëtor (1882 - 1973 ) war eine deutsche Kinderbuchillustratorin. In den 1920er und 1930er Jahren gehörte sie zu den bekanntesten und produktivsten Bilderbuch-Illustratoren in Deutschland. 

Seit der erfolgreichen Teilnahme an Plakatwettbewerben von Faber Castell konnte sich Wenz-Viëtor als freischaffende Künstlerin behaupten. So erhielt sie 1903 erste Aufträge vom Leipziger Teubner-Verlag für Einbandillustrationen von Kinderbüchern. Obwohl Wenz-Viëtor die Kinderbuchillustration nie aufgab – ab 1909 arbeitete sie für den Verlag Alfred Hahn und in den 1920er- und 1930er-Jahren für den Verlag Gerhard Stalling –, wandte sie sich im Laufe der 1910er-Jahre der Gestaltung von Möbeln und Einrichtungsgegenständen zu. 1911 gestaltete Wenz-Viëtor die Einrichtung für Verkaufsstellen der Ostasiatica-Handlung Meyl und entwarf 1913 ein Teeservice für die Meißner Porzellanmanufaktur. (Staatl. Kunstsamml. Dresden) 

Else Wenz-Viëtor nannte als Vorbild den englischen Grafiker Arthur Rackham. Dem Trend der damaligen Zeit folgend, zeichnete sie in den Bilderbüchern Pflanzen und Tiere häufig mit menschlichen Zügen. (Wikipedia)

Das grosse Ding und andere Märchen, Illustrator: Wenz-Viëtor, Else, Stalling Verlag Oldenburg, 1925

"Ich bin der König von sechzehn Zwergen. Was gibst du mir, wenn ich dich wieder herausbringen lasse ?Sie sind alle auf der Schule gewesen und haben alles durch-studiert."
Da sagte ich: "Meine Muhme hat ne Kuh und ich hab eine Ziege. Eines von den Teilen sollst du haben."
Da gingen acht Zwerge mit mir. (...)

Da gingen wir die ganze Zeit durch den grossen Wald, und sie wussten akkurat, wo ich mit dem Ding hergeschleift war. Auf demselbigen Weg kam ich bis vor meiner Muhme Tür. Da erzählte ich ihr, wo ich gewesen war. Da gab sie mir die Ziege. Da setzte ich die Zwerge nach der Reihe drauf. Den größten zuerst, bis zuletzt den kleinen.

Der ODOL Onkel hilft

Auch Kinder waren früher schon Zielgruppen für das Marketing. ODOL aus Dresden wählt hier dem Kinderbuch einen wahrhaft bibliophilen Weg. Ein sehr schön ausgestattetes, aber umgedichtetes Märchen nach H.C. Andersen.

Tante Zahnweh - ein Märchen über Leiden und Kunstschaffen

Jedes Märchen enthält ein Element des Leidens, das eine Hauptfigur bezwingen muss, um "erlöst" zu werden. In Andersens spätem Märchen Tante Zahnweh, geschrieben 1872, löst der unwillkürliche Drang, alles in Worte zu fassen, was er sieht, bei einem Studenten das Gefühl aus, Poet zu sein, aber zugleich den nagenden Selbstzweifel, diesem Anspruch zu genügen.

Immer wieder bestärkt durch eine Komplimente spendende Tante versucht er es dennoch, was zu starkem Leiden, versinnbildlicht durch Zahnschmerzen, führt. Nur das Unterlassen des Dichtens garantiert Schmerzlosigkeit; die daraus resultierende "Normalität" und Anonymität ist wiederum quälend. (G.B. HBZ · 07/2019) (Ill. aus Projekt Gutenberg)

Tante Marga - Tante Zahnweh. Andersen nacherzählt, aber auf ganz neue Weise. Reklamebilderbuch.        Dresden, Lingner & Kraft (Odol) wsl. 1929

Der Onkel ODOL überreicht der Tante Mille ein Fläschchen ODOL.
Das tragische Märchen von H.C. Andersen umgedeutet  mit einer Therapie durch ODOL. Alles wid gut. Mit den wunderschönen, farbigen rokokohaften Darstellungen des bekannten Illustrators Erich M. Simon 

Nachbemerkung auf der letzten Seite: "Für die lieben Kinder vom guten Odol-Onkel, der in einem großen, schönen Schlosse wohnt und schon 100 Jahre alt ist.

Taniwani. Ein fröhliches Fischbuchvon Franz Karl Ginzkey. Mit Bildern von Max Dittrich.

Wo sich keine Welle regt,
stürmisch nie das Meer bewegt,
sitzt der Onkel Tintenfisch
still für sich und träumerisch.
Immer ist er hochvergnügt
weil er fromm sich selbst genügt, und die lieblichste der Pflichten
ist für ihn das Märchendichten.
Taniwani. Ein fröhliches Fischbuch. Amandus Edition, Wien 1947.